Artikel vom 14.11.2018

Johari-Fenster

Das „Johari-Fenster“ ist ein Kommunikationsmodell mit dem Unterschiede in der Selbst- und Fremdwahrnehmung grafisch dargestellt werden. Es wurde 1955 von den US-amerikanischen Sozialpsychologen Joseph Luft und Harry Ingham entwickelt.

Aufbau:

Das „Johari-Fenster“ besteht aus vier Feldern.

Der öffentliche Bereich

Hier finden sich alle Informationen wieder, die mir selbst über mich bewusst sind und die auch anderen Personen von mir bekannt sind.

Beispiel:

Ich weiß, dass ich ungeduldig bin. Meine Kollegen wissen das ebenso. Sowohl ich als auch meine Kollegen können darauf eingehen und diese „Eigenschaft“ in ihrem Verhalten berücksichtigen.

Der geheime Bereich

Informationen die mir selbst bekannt sind, anderen Personen jedoch unbekannt sind. Die Informationen in diesem Bereich sind anderen deswegen nicht bekannt, weil ich entschieden habe, dass sie diese nicht wissen brauchen oder nicht wissen dürfen.

Beispiel:

In Konfliktgesprächen fühle ich mich häufig unsicher. Mir ist allerdings wichtig, dass ich vor meinen Kollegen selbstsicher wirke. Daher teile ich diese Information nicht mit ihnen.

Der blinde Fleck

Informationen die mir selbst unbekannt sind, anderen Personen jedoch bekannt sind.

Beispiel:

Meinen Kollegen ist aufgefallen, dass ich es in Gesprächen oft nicht schaffe Augenkontakt zu halten, sondern stattdessen teilweise wild in der Gegend rum schaue. Mir selbst fällt das nicht auf.

Der unbekannte Bereich

Hier befinden sich Informationen, die sowohl mir als auch anderen unbekannt sind.

Beispiel:

Vielleicht habe ich ein Talent für Saxophon spielen. Da ich es noch nie versucht habe und niemand dieses Talent bei mir vermutet befindet es sich im unbekannten Bereich.

Wie kann mit dem Johari-Fenster in der Praxis gearbeitet werden

Das Ziel ist es den öffentlichen Bereich zu vergrößern. Die Zusammenarbeit in Teams gelingt besser, wenn sie mehr übereinander wissen. Um den öffentlichen Bereich zu vergrößern können zwei Instrumente verbessert werden.

Feedback

Wenn ich von anderen Menschen im Team Feedback bekomme, erhalte ich oft Informationen über mich, die mir selbst gar nicht bewusst waren. Je mehr unbekannte Informationen ich erhalte, desto kleiner wird mein blinder Fleck.

Weiterführung des Beispiels:

Durch das Feedback meiner Kollegen wird mir selbst bewusst wann ich es in Gesprächen schaffe Augenkontakt zu halten und wann nicht. Ich kann mich nun selbst steuern, sobald ich merke, dass ich den Augenkontakt zu meinem Gesprächspartner verliere.

Offenheit

Teile ich mit anderen Menschen aus dem Team Informationen, die sie bisher noch nicht wissen, schrumpft mein geheimer Bereich. Die Teamkollegen wissen nun mehr von mir und können entsprechend reagieren.

Weiterführung des Beispiels:

Meine Kollegen wissen nun, dass ich mich in Konfliktgesprächen unsicher fühle. Sie können mir bei geplanten Gesprächen vorher gut zureden und mich dadurch unterstützen. Zusätzlich kann ich meine Gefühle mit meinen Kollegen teilen. Dadurch kann ich zum Beispiel für zukünftige Gespräche andere Ideen bekommen.

Vorteile der Arbeit mit dem Johari-Fenster

Für den Einzelnen

  • Unbewusste Verhaltensweisen werden ins Bewusstsein geholt
  • An "Schwächen" kann gezielt gearbeitet werden
  • Durch die bewusste Herausgabe von Informationen, kann die innere Anspannung vermieden werden, die durch das Zurückhalten dieser Informationen entsteht

Für das Team

  • Das Handeln der Personen wird transparenter
  • Gegenseitige Verständnis wird erhöht
  • Die Qualität der Zusammenarbeit verbessert sich
  • Gerade neue Teams lernen sich schneller kennen, wenn bewusst mit dem Johari-Fenster gearbeitet wird

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