Artikel vom 22.12.2018

Welche Merkmale braucht ein Team? Teil 1

In letzter Zeit habe ich mich mehrfach mit der Frage beschäftigt: "Welche Bedingungen bzw. Merkmale braucht ein funktionierendes Team?" Dabei bin ich auf 8 Merkmale gekommen, die ich in meinen nächsten 3 Blogbeiträgen vorstellen möchte.

Günstige Rahmenbedingungen

Die Rahmenbedingungen, mit denen ein Team arbeitet, sind die Grundlage für eine erfolgreiche Zusammenarbeit. Entscheidende Faktoren sind aus meiner Sicht:

  • Konzept / Aufgabenbeschreibung
  • Räumlichkeiten
  • Arbeitsmaterial
  • Unterstützung durch Führungskräfte

Hier gibt es sicherlich noch viele Faktoren. Da an den Rahmenbedingungen, in der Regel deutlich schwieriger Veränderungen vorgenommen werden können, als an den anderen Merkmalen konzentriere ich mich eher auf die anderen Merkmale.

Richtige Gruppengröße

Die Größe des Teams ist ein weiteres Merkmal, welches die Arbeitsfähigkeit eines Teams beeinflussen kann.

In den 1880er Jahre ließ der französische Agraringenieur Maximilien Ringelmann acht Männer vor einen Karren spannen und kräftig ziehen. Hierbei ging es nicht um Sklaverei, sondern um ein Experiment um die Effektivität von landwirtschaftlichen Maschinen und Arbeiten zu testen. Später ging sein Versuch es als erstes sozialpsychologisches Experiment überhaupt in die Geschichte ein, heute ist es als Ringelmann-Effekt bekannt.

Das Phänomen des sozialen Faulenzens, welches Ringelmann damals zufällig erkannte, wurde von den amerikanischen Psychologen Stephen Harkins, Bibb Lantané und Kipling Wiliams 1979 als Social Loafing bezeichnet. Social Loafing bezeichnet das Ausruhen einzelner auf Kosten anderer Personen. Oder anders gesagt: Mit zunehmender Zahl der Gruppenmitglieder sinkt die Leistung des Einzelnen.

Wird das Ausruhen auf Kosten anderer von Teammitgliedern erkannt und bleibt es ohne Folgen, so verstärkt das empfundene Unrechtsgefühl den Effekt noch weiter und auch diese Kollegen reduzieren ihrerseits das Engagement, um nicht ausgenutzt zu werden.

Dazu kommt, dass bei steigender Zahl an Personen im Team der Organisations- und Koordinationsaufwand irgendwann den Nutzen übersteigt.

Der Wissenschaftler Peter Kimek hat vor einigen Jahren die Möglichkeiten der Konsensfindung in Teams untersucht. Hierbei stellte er fest, dass die Wahrscheinlichkeit auf einen Konsens mit zunehmender Gruppengröße sinkt. Bestand das Team aus mehr als 20 Personen, zerfiel es regelmäßig in Splittergruppen, welche dann sogar gegeneinander arbeiteten.

Mit fünf bis acht Mitgliedern war die optimale Teamgröße gefunden, da es die wenigsten Reibungsverluste und schnellsten Einigungen bzw. Entscheidungen gab.

Checkliste: Die optimale Teamgröße

Die optimale Teamgröße ist erreicht, wenn...

  • Sie alle Teammitglieder ad hoc mit Namen aufzählen können.
  • die Rollen- und Aufgabenverteilung jedem im Team bekannt ist.
  • ausnahmslos jeder im Team gebraucht wird.
  • die Aufgabe mit diesem Team besser gelöst werden kann als ohne.
  • der Informationsaustausch stets reibungslos und schnell funktioniert.

Möglichkeit der Zusammenarbeit

Menschen, die zur gleichen Zeit am gleichen Ort und an derselben Sache arbeiten, sind noch kein Team, sondern eine Gruppe.

karrierebibel.de

Ein weiteres Merkmal, um als Team zusammen arbeiten zu können, ist, dass überhaupt erst die Möglichkeit zur Zusammenarbeit bestehen muss. Hier möchte ich zwischen zwei Bereichen unterscheiden. Zum einen die Aufgaben des Teams und zum anderen die Fähigkeiten der einzelnen Teammitglieder.

Ein Team braucht Aufgaben, die dazu geeignet sind, gemeinsam im Team bearbeitet zu werden. Es gibt durchaus Gruppen, die sich als Team verstehen, eigentlich aber nur einzelne Aufgaben nebeneinander her bearbeiten ohne dabei zusammenzuarbeiten.

Ana Luiza Burcharth hat in ihrer Dissertation an der Aarhus School of Business ermittelt, wie schädlich homogene Teams für neue Ideen sind. Gerade kleinere Betriebe neigen dazu Personen einzustellen, die ähnlich ticken und über dieselben Werte und Hintergründe verfügen, wie das bereits bestehende Team. Das reduziert natürlich die Reibungsfläche und sorgt wahrscheinlich für einen harmonischen Alltag, wodurch es allerdings auch eintöniger wird und neue Ideen gebremt oder gar verhindert werden. Damit beschreibt sie das Not-Invented-Here-Syndrom. Auf externes Wissen wird bewusst verzichtet, teilweise sogar bewusst abgelehnt.

Daher ist es meiner Meinung nach wichtig bei der Teamzusammensetzung auf komplementäre Fähigkeiten der Teammitglieder zu achten. Natürlich ist es für solche Teams mit verschiedenen Charakteren wichtig, dass sie gut geführt werden. Das Merkmal der "guten Führung" werde ich in Teil 2 aufgreifen.

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