Artikel vom 22.11.2018

Wie entwickelt sich ein Team? Teil 1

Teams sind dauerhaft im Wandel. Manchmal kommen neue Teammitglieder dazu, manchmal scheiden Teammitglieder aus. Teams, die über Jahre in der gleichen Konstellation zusammen sind, gehören eher zu den Ausnahmen.

Die Amerikaner Francis und Young haben den Entwicklungsstand eines Teams in vier Phasen aufgeteilt. In diesem Teil gehe ich auf die ersten beiden Phasen ein. In Teil 2 folgen dann Phase drei und vier und der Transfer in die Praxis.

1. Orientierungsphase (Forming)

Neu gegründete Teams starten in der Orientierungsphase. Allerdings kehren häufig auch Teams, in denen nur eine Person neu dazugekommen ist, in diese Phase zurück.

Charakteristisch für diese Phase ist, dass die Teammitglieder untereinander höflich und zurückhaltend im Kontakt sind. Es wird versucht sich an die Erwartungen der anderen anzupassen und Konflikte werden vermieden. Durch die fehlende Routine in den Arbeitsabläufen wird auf Anforderungen eher unsicher reagiert.

Obwohl grundsätzlich das ganze Team von dieser Phase betroffen ist, betrifft es verstärkt die neuen Teammitglieder, vor allem, wenn nur einzelne Personen neu in das Team gekommen sind, entstehen bei diesen oft Unsicherheiten. Zusätzlich kommt hinzu, dass Absprachen und "heimliche" Regeln die im Team bereits getroffen sind, oftmals nicht weitergegeben werden.

Die Orientierungsphase ist die Phase des gemeinsamen Kennenlernens. Grundsätzlich kann gesagt werden, dass Menschen immer eine Anwärmphase brauchen. Allerdings ist diese bei einigen kürzer und bei anderen länger. Was in der Praxis gerade in dieser Phase wichtig ist, findest du in Teil 2.

2. Positionsfindungsphase (Storming)

In der Phase der Positionsfindung sucht jeder seinen Platz im Team. Wenn jemand in ein bestehendes Team kommt, sind viele Plätze im Teamgefüge bereits belegt. Dieses wird manchmal bereits optisch deutlich, indem bestimmte (Sitz-)Plätze stets von den gleichen Teammitgliedern, ganz selbstverständlich, besetzt werden. Oftmals bekommen neue Teammitglieder zuerst einmal die ungünstigen Positionen und Aufgaben zugewiesen. Dies ist der wenig soziale Versuch, seine eigene Position zu stärken.

Eine Erklärung hierfür ist, dass wir alle in einer Gruppe unseren Platz finden wollen. Hier fühlen wir uns wohl und bekommen dadurch Sicherheit in der Gruppe. Dazu ein praktisches Beispiel:

Denken Sie an ihr letztes Seminar, welches Sie besucht haben. Haben Sie sich nach der Pause wieder auf den gleichen Platz gesetzt? Wenn ja, warum haben Sie das getan?

Daran anknüpfend ein kleines Gedankenexperiment. Was würde passieren, wenn Sie sich bei der nächsten Teamsitzung auf den Stammplatz eines anderen setzen würden? Ich glaube, dass es passieren kann, dass diese Handlung überhaupt nicht akzeptiert wird und hieraus ein kleiner Konflikt entstehen kann.

In Teams findet die Verteilung von Plätzen oftmals unterschwellig statt. Die Gruppendynamik "im Kampf um die Plätze" nimmt  zu. Dieses wird daran deutlich, dass die Anzahl der Redebeiträge steigt, Teammitglieder sich positionieren, einige sich zurückhalten und andere ihre "Ellenbogen" einsetzen, um eine bestimmte Aufgaben zu bekommen.

Im Team entstehen Cliquen. Hier entwickelt sich ein Ort der sozialen  und emotionalen Solidarität, bei dem Standpunkte dann gegen das "Rest-Team" gemeinsam vertreten werden.

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