Artikel vom 31.03.2020

Selbstführung oder "Das Eisen schmieden, wenn es kalt ist."

Nachdem ich im letzten Artikel „Haltung als Basis für die Handlung“ den ersten von sechs Artikeln zu den Haltungs- und Handlungsaspekten der Neuen Autorität geschrieben habe, komme ich heute zu „Selbstführung und Deeskalation“.

Zu Beginn ein kleiner Exkurs. Grundsätzlich unterscheiden Lemme/Körner zwei Konfliktformen.

Bei symmetrischen Konflikten vergelten beide Konfliktparteien Gleiches mit Gleichem. Dadurch steigern sich beide Parteien in den Konflikt hinein und ein Kontrollverlust auf beiden Seiten ist möglich.

Bei komplementären Konflikten wird allen Forderungen nachgegeben.

Beide Konfliktformen haben gemeinsam, dass die Parten nicht miteinander in Kontakt kommen. Im „echten“ Leben kommen diese Konfliktformen allerdings meistens in Mischformen vor. Allerdings kann es passieren, dass in bestimmten Systemen, z.B. Schule, Arbeitsplatz etc., „Regeln“ etabliert werden/sind, die extreme Formen (nur symmetrisch oder nur komplementär) begünstigen.

Zwei Prinzipien werden für den Bereich „Selbstführung und Deeskalation“ als unterstützend beschrieben.

Nicht-Hinein-Gezogen-Werden

Lemme/Körner beschreiben fünf „besondere Knöpfe“, die gedrückt werden können. Diese „Knöpfe“ sind:

  • Angst
  • Scham
  • Schuld
  • Wut
  • Ohnmacht

Wird einer dieser „Knöpfe“ gedrückt, verlangt es viel Bewusstheit, dass dieser „Knopf“ gerade gedrückt wird, und Training, um angemessen reagieren zu können. Mögliche Reaktionen könnten sein:

  • Verzögern
  • Emphatisches Schweigen
  • Rituale
  • Entspannungstechniken

Aufschub

Wenn ich nicht weiß, was ich tun kann, weiß ich, was ich tun kann, wenn ich nicht weiß, was ich tun kann.

Bruno Körner

Das obenstehende Zitat beschreibt meiner Meinung nach sehr treffend, worum es unter anderem beim Prinzip des Aufschubs geht.

Ich verwende dieses Prinzip in meinem Alltag in verschieden Situationen. Zum einen dann, wenn ich mich bevor ich eine Entscheidung treffe - erst mit Kollegen besprechen möchte. Zum anderen dann, wenn ich nicht weiß, was ich machen kann. Durch den Aufschub bekomme ich die Möglichkeit, darüber zu denken, wie ich auf die Situation reagieren kann.

Das Eisen schmieden, wenn es kalt ist.

Haim Omer

Würde ich in einer Situation, in der ich nicht weiß, wie ich gerade angemessen reagieren kann, trotzdem eine Entscheidung treffen, ist die Wahrscheinlich sehr groß, dass diese dann geleitet von Machtdemonstration meinerseits geleitet ist.

Natürlich passiert es mir immer mal wieder, dass ich es nicht schaffe, Situationen aufzuschieben und dann über Macht die Situation auflöse. Dann geht es mir in der anschließenden Selbstreflexion zum einen darum, dieses zu merken und mich ggf. bei den Kindern/Mitarbeitern zu entschuldigen, um meine Präsenz wiederherzustellen.

 

 

Quellen:

  • "Neue Autorität in Haltung und Handlung" Lemme/Körner, 1. Auflage 2018
  • "Raus aus der Ohnmacht - Das Konzept Neue Autorität für die schulische Praxis" Omer/Haller, 1. Auflage 2019

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